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Nach dem Doncic-Trade

NBA - Kyrie Irving bei den Dallas Mavericks: Das gefährliche Spiel mit Uncle Drew

  • Veröffentlicht: 27.02.2025
  • 12:31 Uhr
  • Ole Frerks

Durch den Trade von Luka Doncic haben die Dallas Mavericks nicht nur viele ihrer Fans gegen sich aufgebracht – sie haben sich auch in hohem Maße von Kyrie Irving abhängig gemacht. Das ist durchaus riskant, in mehr als nur einer Hinsicht.

Manche Leute sind eher nicht gewillt, sich an ein Skript zu halten, tanzen nahezu aus Prinzip gern aus der Reihe. Kyrie Irving ist so jemand. Was sich durch seine komplette Karriere zieht.

Bis zu seinem Wechsel nach Dallas wurde das bei jeder Station irgendwann Thema. Was nun aber wiederum auch sein Auftreten am Dienstag in Los Angeles irgendwie logisch erscheinen ließ.

Es war das erste Wiedersehen von Luka Doncic mit den Mavs; nicht in Dallas, trotzdem waren die Rollen eigentlich klar verteilt. Luka sollte brillieren, sich "rächen", auch wenn die alten Teamkollegen ihm nichts getan haben. Diese wiederum sollten sich nicht kampflos ergeben, ein Sieg wurde von ihnen aber nicht erwartet, nicht in dieser Besetzung, nicht in diesem Spiel.

Es wurde am Ende tatsächlich kein Sieg. Irving allerdings ließ nichts unversucht und wurde in einem Spiel gegen zwei seiner größten ehemaligen Superstar-Teamkollegen, das er selbst danach als "awkward as shit" bezeichnete, mit 35 Punkten zum Topscorer. Er war kurz davor, wieder mal aus der Reihe zu tanzen und seinem "hermano" dessen Tag zu stehlen.

Natürlich war er das – es ist sein Job. Und es ist Irving, in dessen Spiel und Karriere nur die Unvorhersehbarkeit vorhersehbar ist. Der genau deswegen so schwer zu verteidigen ist.

Der deswegen aber auch schon drei Teams frustriert hat, die um ihn herum ihr Fundament kreieren wollten. Was sein viertes Team nicht davon abhielt, vor wenigen Wochen nahezu alles auf genau diese Karte zu setzen. Wird sich das auch in Dallas rächen?

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Kyrie Irving in Dallas: Musterknabe und Anführer

Seitdem Irving vor gut zwei Jahren nach Dallas getradet wurde, hat er sich wie ein Musterknabe verhalten. Sich keine der Eskapaden geleistet wie in Brooklyn. Auch wurde nie etwas über eine giftige Teamchemie bekannt wie zuvor in Boston oder Cleveland, wo er während des letzten Finals-Runs 2017 angeblich schon kein Wort mehr mit LeBron James wechselte.

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Im Gegenteil: Jeder in Dallas schwärmt seit dessen Ankunft von Irving. Auch Doncic, der ihn am Dienstag als seinen "Bruder" bezeichnete. Kyrie ist in Dallas etwas, was er zuvor nie dauerhaft war: Ein Leader, der auf dem Court vorangeht, sich aber auch bei Turbulenzen schützend vor das Team stellt, während er diese Turbulenzen früher bisweilen noch selbst verursachte.

Diese Rolle hat er auch über die letzten Wochen eingenommen. Während die Fans in Dallas auf die Straße gingen und gegen das Front Office protestierten, versuchte Irving mit dem Team den Fokus zu wahren und gleichzeitig die Emotionen der Fans ernst zu nehmen. Auch für die Buhrufe zeigte er Verständnis und verwies auf die "einzigartige Situation", in der sich das Team befände.

"Wenn man sieht, wie Basketball solche Emotionen hervorruft, dann zeigt das einfach, dass Basketball für viele Menschen nicht nur ein Spiel ist", sagte Irving nach dem Kings-Spiel am 11. Februar, in dem mehrere Fans aus der Halle eskortiert wurden.

"Es ist eine spirituelle Erfahrung. Ein Verbindungsstück, und die Leute sehen ihre Lieblingsspieler und wollen ihnen für immer zusehen. Deswegen verstehe ich, woher diese Emotionen kommen."

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Irvings Kraftakt ohne Luka

Irving versucht seit dem Trade das Beste aus einer merkwürdigen Situation zu machen. Und spielt dabei starken Basketball; schon vor dem Luka-Trade war Irving in dieser Spielzeit der verlässliche Star in Dallas.

Irving ist auf Kurs, seine meisten Spiele seit der Saison 18/19 zu absolvieren, als er in 67 Partien auflief. Er wurde unlängst zum neunten Mal in seiner Karriere All-Star, könnte, wenn er 65 Partien erreicht, auch erstmals seit 20/21 wieder ein All-NBA-Kandidat sein.

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Er trägt viel dazu bei, den Mavs eine gewisse Resilienz zu verschaffen. Die sie gegen die Lakers zeigten - und die sie auch zuvor schon Rückschläge wie die Verletzungen von Anthony Davis, Dereck Lively II und Daniel Gafford (und zuvor auch Doncic, der seit Weihnachten nicht mehr im Lineup stand) einigermaßen wegstecken ließ.

Irving leistet dabei einen Kraftakt. Anfang Januar verpasste er mit Schulterproblemen selbst ein paar Spiele, seither stand er 17 Mal im Lineup und absolvierte 38,2 Minuten pro Spiel. Oft knackte er die 40. "Das macht mir Sorgen", gab Coach Jason Kidd schon vor Wochen zu, um dann sinngemäß zu ergänzen: Aber was soll ich sonst machen?

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Der einzige Creator

Kurzum brauchen die aktuellen Mavs Kyrie auf dem Court, um offensiv konkurrenzfähig zu sein. Er ist der einzige bewiesene "Creator" im Team – solange Davis noch ausfällt, ist er zudem auch der einzige verlässliche Scorer im Team, der regelmäßig Double-Teams ziehen und die gegnerische Defense unter Druck setzen kann.

Dallas hat eine ganze Reihe guter Verteidiger im Kader, die den Mavs an diesem Ende des Courts ein gewisses Fundament geben. Auch wenn sich das Fehlen irgendeines Big Mans über die letzten Wochen dann doch sehr bemerkbar macht.

Offensiv können einzelne Spieler zeitweise heiß laufen. Etwa Spencer Dinwiddie oder Klay Thompson - und auch Max Christie ist seit seiner Ankunft unerwartet produktiv (14,7 Punkte pro Spiel in Dallas).

Ohne Irving auf dem Court ist das alles dennoch überwiegend bieder und harmlos. Seit seiner Rückkehr ins Lineup haben die Mavs laut "nba.com" ein solides Offensiv-Rating von 116,8, wenn Irving spielt. In den Minuten ohne ihn erreichen sie 107,9 Punkte pro 100 Ballbesitz-Phasen. Damit hätten sie über die Saison gesehen die viertschlechteste Offense der Liga.

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Das kleine Risiko

Folglich muss Irving viel tun, um die Mavs in Spielen zu halten. Das tut er auch, wie gegen die Lakers gesehen - und auch schon zuvor. Im Februar haben die Mavs trotz aller Widrigkeiten immerhin die Hälfte ihrer zehn Spiele gewonnen, wahren mit einer 31-28-Bilanz noch den Play-In-Platz. Ein gewisses Risiko besteht dabei aber ohne Zweifel.

Irving hat aktuell bereits Schmerzen an der Schulter, die ihn einige Spiele verpassen ließen. Die längere Pause Anfang Januar war aufgrund von Rückenproblemen nötig, die durch die Vorwölbung einer Bandscheibe hervorgerufen wurden. Dieses Thema ist nicht erledigt, es kann sich jederzeit wieder bemerkbar machen.

Am 23. März wird Irving 33 Jahre alt – Guards seiner Größe altern nicht immer gut (auch wenn er das Spiel dafür hat) und Kyrie hat eben auch nicht erst seit dieser Spielzeit eine üppig gefüllte Krankenakte. Aktuell besteht eine gewisse Gefahr, dass die Mavs ihn verheizen, ehe die Playoffs losgehen. Allerdings würden sie diese ohne ihn vielleicht auch gar nicht erreichen …

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Das größere (?) Risiko

Und dann ist da noch das andere, vielleicht größere Risiko. Irving kann im Sommer aus seinem Vertrag aussteigen, wenn er sich gegen seine Spieler-Option von 44 Millionen Dollar entscheidet. Das sollte er tun, denn für ihn ist mehr drin – in einer dünnen Klasse wäre er vermutlich umgehend der beste verfügbare Free Agent.

Mindestens der mit der besten Ausgangslage. Bisher spricht nichts dafür, dass er Dallas verlassen würde, wo er sich dem Vernehmen nach pudelwohl fühlt (nicht, dass Kyrie nicht auch schonmal seine Meinung geändert hätte).

Aber selbst wenn nicht: Aktuell müssten ihm die Mavs nahezu jeden Wunsch erfüllen, selbst wenn es historisch selten ratsam war, das Maximum an Geld und Jahren in nicht mehr ganz so junge Guards mit diversen Verletzungen zu investieren.

"Irving ist im Sommer der Free Agent mit dem größten Einfluss", bekundete "ESPN"-Experte Bobby Marks vor wenigen Tagen. Man kann ihm nur beipflichten – ob Kyrie den Trade persönlich gut fand oder nicht, seiner Situation hat das Ganze nicht im Geringsten geschadet. Gesund ist Anthony Davis der beste Spieler in Dallas, aber nur Irving kann das, was Irving tun kann.

Im Prinzip haben sich die Mavs abhängig von ihm gemacht. Sie haben einen Plan mit ihm, ein Skript quasi. Nun muss sich noch zeigen, ob das ein gutes Skript ist. Und inwieweit Irving sich daran halten will.

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