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Der Fall von Ja Morant

NBA: Wirklich untradebar oder der nächste Luka? Der schwierige Fall des Ja Morant

  • Veröffentlicht: 27.03.2025
  • 11:44 Uhr
  • Ole Frerks

Ja Morant hat den Ruf eines Superstars – er wird diesem jedoch schon seit einer Weile nicht mehr gerecht, aus unterschiedlichen Gründen. Die Memphis Grizzlies beteuern dennoch, dass sie an ihrem 25-jährigen Franchise-Player unbedingt festhalten wollen. Wird sich das eines Tages ändern?

Von Ole Frerks

Wenn die NBA-Saison 2024/25 bisher eins bewiesen hat, dann das: Richtig untradebar ist niemand, nicht einmal ein vom Team eigens gedrafteter, regelmäßig im All-NBA First Team landender, Finals-erprobter und (da noch) gerade mal 25-jähriger Superstar. Selbst wenn bis heute kaum jemand die Logik der Mavs dahinter versteht – passiert ist es trotzdem.

In der gleichen Division befindet sich auch ein anderer 25-jähriger, eigens gedrafteter Superstar, um den es kurz nach der Trade Deadline Spekulationen gab, die anonym von einem Executive eines anderen Teams via The Ringer lanciert wurden: Wenn Memphis früh aus den Playoffs ausscheidet – steht im Sommer ein Trade von Ja Morant an? Das solle man "im Auge behalten".

Grizzlies-GM Zach Kleiman hat wenig später auf diese Spekulationen reagiert und hätte sich dabei kaum deutlicher ausdrücken können: "Ich kann anderen Executives keinen Vorwurf machen, dass sie über Ja fantasieren. Aber es ist nur das – Fantasie. Wir traden Ja nicht." Und damit wollte er das Thema beendet sehen.

Wahrscheinlich hat Kleiman die Aussagen genauso gemeint. Aber: Es ist nicht so unlogisch, zumindest über diese Möglichkeit nachzudenken. Anders als im Doncic-Fall ließen sich nämlich sogar recht einfach Argumente dafür finden.

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Ja Morant: Gereift abseits des Courts

Die gute Nachricht zuerst: Abseits des Courts ist es ruhiger geworden um Morant, was nach den Eskapaden der Jahre zuvor sonst wohl auch die Grizzlies zunehmend frustriert hätte. Recht häufige Technische Fouls, eine 25.000-Dollar-Geldstrafe, weil er einen Ball auf die Tribüne warf – das müsste nicht sein, hat aber andere Dimensionen als seine früheren Themen.

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Dass er eins der Opfer einer auf NBA-Profis spezialisierten Einbrecherbande wurde, war natürlich nicht seine Schuld. Unterm Strich macht Morant seit der Suspendierung, die ihn die ersten 25 Spiele der Vorsaison kostete, in dieser Hinsicht in jedem Fall Fortschritte.

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Ja Morant: Er spielt einfach nicht genug

Auf dem Court hingegen lässt sich das so nicht sagen. Morant verpasst regelmäßig Zeit, nicht erst seit diesem Jahr, und auch nicht erst seit der angesprochenen Suspendierung. Vergangene Saison schaffte er neun Spiele, ehe er den Rest der Spielzeit mit einer Schulterverletzung ausfiel. Weniger als 15 Spiele in einer Saison hat er noch nie verpasst.

Anders ausgedrückt: Die 65-Spiele-Grenze, die es für die Qualifikation für viele Awards braucht, erreichte er nur in seiner Rookie-Saison, mit 67 Spielen. Seither nicht wieder (in seiner einzigen All-NBA-Saison 21/22 galt die Regel noch nicht), auch nicht in dieser Spielzeit, wo er Stand jetzt 43 von möglichen 72 Spielen absolviert hat.

Die Körperteile, wegen denen er in 24/25 offiziell Spiele aussetzen musste, formieren einen fast vollständigen Körper: Knie, Rücken, Schulter, Fuß, Oberschenkel … auch wegen Krankheit fiel er mal aus, unterm Strich hat er über die gesamte Saison nur einmal sechs Spiele am Stück absolviert. Vor der aktuellen Pause, die nun auch schon wieder fünf Partien andauert.

Insbesondere die Schulterverletzung, die ihn 23/24 zum Abbruch der Saison zwang, soll ihn zudem auch in den Spielen, die er absolviert hat, regelmäßig eingeschränkt haben. "Überhaupt noch nicht", entgegnete Morant Anfang März auf die Frage, wie oft er sich in der Saison schon wie er selbst gefühlt habe.

Ja Morant: Leistungen unter dem gewohnten Niveau

Seinem Spiel ist das durchaus anzumerken. Ab ca. Frühling 2021 bekamen die Grizzlies in der Regel einen elektrischen Superstar, wenn Morant spielte – Legende Magic Johnson bekundete erst vor kurzem, dass Morant neben Anthony Edwards der aktuelle Spieler sei, dem er am liebsten zusehe.

Verständlicherweise; es gibt nahezu keinen unterhaltsameren und ziemlich sicher keinen dynamischeren NBA-Akteur als Morant, wenn dieser er selbst ist. Dass er dabei zudem echte Point-Guard-Vision hat und seine Teammates konstant besser machen kann, macht ihn zu einer einzigartigen Attraktion.

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Konstant ist er dieser Akteur aber nicht. Über die Saison erzielt er 22,3 Punkte im Schnitt, die wenigsten seit seinem Sprung zum All-Star. Die schlechteste Quote aus dem Feld (44,9%) und die meisten Turnover (3,7) produziert er dabei ebenfalls, obwohl die neue, vielschichtigere Grizzlies-Offense sein Leben eigentlich leichter machen sollte.

Morant geht für einen kleinen Guard noch immer sehr oft zum Ring (35% seiner Abschlüsse), aber seltener als zu Peak-Zeiten, als er dort 43% seiner Abschlüsse nahm. Seine Effizienz am Ring ist gesunken, während die Konstanz als Sprungwerfer ebenso wenig vorhanden ist wie eh und je (30% Dreierquote – seit der All-Star-Pause fielen sogar nur 22,5%).

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Memphis Grizzlies: Eigentlich ging es bergauf

"Gefoult werden, sich verletzen, all das spielt eine Rolle", sagt Morant selbst dazu. "Es führt dazu, dass du dich anders bewegst, dass du anders denkst. Aber ich stehe auf dem Court, also versuche ich, einen Weg zu finden."

Dazu sei gesagt: Im März ging es individuell eigentlich bergauf. Über sechs Spiele reihte Morant explosive Leistungen aneinander, die an seine Bestform erinnerten – 31,3 Punkte im Schnitt, 7,7 Assists, 52,4% FG, sein bester Stretch dieser Saison, kulminierend mit 44 Zählern gegen Cleveland –, doch seit dem Cavs-Spiel fällt er wieder aus.

Es ist kurzum nicht allzu leicht im Voraus zu wissen, ob Morant in einer bestimmten Partie dabei ist – und welche Version von ihm es dann zu sehen gibt. "Ich habe Vertrauen darin, dass Ja später in der Saison bereit dafür sein wird, so viele Minuten zu spielen, wie nötig sind", sagte Coach Taylor Jenkins vor drei Wochen.

In sechs von elf Spielen danach war der Superstar dabei, für die nächste gegen OKC wird er aktuell als Game-Time Decision gelistet.

Memphis Grizzlies: Ohne Ja nicht gut genug?

Jenkins – und den Grizzlies im Allgemeinen – bleibt indes nicht allzu viel anderes übrig, als auf Ja zu vertrauen. Dieses Team braucht ihn, um gefährlich zu sein, wenn es gegen Top-Konkurrenz geht. Jaren Jackson Jr. ist diese Saison der beste Grizzly und ein legitimer All-NBA-Kandidat, die egalitäre Offense fußt auf vielen Säulen und ist über 82 Spiele weniger abhängig vom Scoring einzelner Spieler – aber dieses Setup hat recht offensichtlich ein Limit.

Gegen die Cavs verlor Memphis trotz Jas Season-High – von sechs Spielen gegen die Top 3 der Liga (Boston, Cleveland, OKC) haben sie eins gewonnen. Gegen Teams mit positiver Bilanz stehen sie insgesamt bei 11-19, keins der wahrscheinlichen Playoff-Teams im Westen ist schlechter. Der Trend ist zudem seit der All-Star-Pause klar negativ, momentan wirkt sogar ein Fall zurück in die Play-In-Ränge nicht ausgeschlossen.

Memphis ist trotz allem ein gutes Team, hat das viertbeste Net-Rating der Saison (+5,7). Aber ihr Stil wirkt Regular-Season-tauglich, als Contender gelten sie nicht. Dafür bräuchten sie die Spezialzutat – wenngleich, das gehört mit zur Wahrheit, sie auch in den bisherigen Playoff-Jahren mit Morant bisher noch kein richtiger Contender waren.

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Memphis Grizzlies vertrauen auf Ja Morant

Dennoch repräsentiert er ihre beste Chance, zumindest in dieser Spielzeit. Bekommen sie die? Kein Zweifel, zumindest wenn es nach Desmond Bane geht. "Er ist der Eine. Wann immer das Spiel eng wird oder wir einen Punkt oder Momentum brauchen, dann gibt es gar keine Frage, wer meiner Meinung nach den Ball haben soll."

Kleiman sieht es auch so. "Macht ruhig weiter damit, Ja zu unterschätzen, dieses Team und diese Stadt, und wir lassen unsere Leistungen auf dem Court für uns sprechen." Das tun sie … aber die Bedeutung dieser Leistungen lässt sich je nach Perspektive sehr unterschiedlich interpretieren.

Ja Morant: Irgendwo zwischen Gilgeous-Alexander und Williamson

Ist Morant ein künftiger MVP-Kandidat, der nur eine schwierige Phase seiner Karriere hinter sich lassen muss? Natürlich hoffen die Grizzlies darauf. An seinen besten Tagen wirkt das nach wie vor möglich. Eine Franchise-Konstante im Stile eines Shai Gilgeous-Alexander, Jayson Tatum, Anthony Edwards oder, nun, Doncic (sorry, Mavs-Fans!) ist er bisher jedoch schlichtweg nicht.

Eine Wundertüte wie sein Jahrgangskollege und guter Kumpel Zion Williamson ist er zwar auch nicht. Es ist dennoch eine legitime Frage, inwieweit Morant die Themen Off-Court-Ruhe, On-Court Verfügbarkeit und -Entwicklung (Sprungwurf und Defense sind seit seinem Rookie-Jahr Baustellen) über seine Karriere in die richtigen Bahnen lenken wird.

Es ist nicht gesagt, dass er das alles hinbekommt. Es ist aber … möglich. Was ihn zu einem der spannendsten Spieler der NBA in den nächsten Jahren macht. Einen, den man, wie anonyme Executives es ausdrücken würden, im Auge behalten sollte.

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