Bundesliga
Zsolt Löw bei RB Leipzig: Der "unbesungene Held" unter Tuchel tritt jetzt ins Rampenlicht
- Aktualisiert: 02.04.2025
- 17:55 Uhr
- Andreas Reiners
Zsolt Löw fühlte sich jahrelang als Co-Trainer pudelwohl. Jetzt soll er als Chef die Saison von RB Leipzig retten.
Für einen Moment verlor Zsolt Löw die Nerven.
Der damalige Co-Trainer des FC Bayern geriet mit Joshua Kimmich aneinander. Beide lieferten sich ein hitziges Wortgefecht, mussten von Manuel Neuer auf dem Weg in die Katakomben getrennt werden.
Was damals im Februar 2024 inmitten der Krise unter Ex-Trainer Thomas Tuchel nach dem 2:3 beim VfL Bochum der genaue Grund für den Disput war, blieb in der Bayern-Kabine.
Es war aber einer der seltenen Momente, in denen der "ewige Co" in den Mittelpunkt rückte.
Ansonsten agierte der heute 45-Jährige vornehmlich im Hintergrund, nachdem der frühere Profi (Energie Cottbus, Hansa Rostock, 1899 Hoffenheim und FSV Mainz) 2012 als Co-Trainer beim FC Liefering seine Karriere an der Seitenlinie startete.
Das Wichtigste in Kürze
Zsolt Löw: Start im RB-Kosmos
Die anschließend im Red-Bull-Kosmos schnell Fahrt aufnahm.
Der 25-malige ungarische Nationalspieler ging vom RB-Farmteam als Assistent von Adi Hütter zu Red Bull Salzburg. Bereits 2015 holte ihn Ralf Rangnick als zweiter Mann zu RB Leipzig, wo er eine wichtige Rolle dabei spielte, die Philosophie des Klubs zu entwickeln und zu implementieren.
Er war beim Aufstieg 2016 dabei, bei der Vizemeisterschaft 2017, und beim Champions-League-Debüt. Löw gab dem ehrgeizigen RB-Projekt also jede Menge Starthilfe, schloss sich 2018 dann aber Thomas Tuchel an.
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Löws Durchbruch an der Seite von Tuchel
Löws Werdegang zeigt, dass die Fußball-Welt oft eine doch sehr kleine ist, denn Rangnick hatte ihn 2006 zur TSG Hoffenheim in die Regionalliga geholt. Und Tuchel wiederum war in Mainz sein letzter Coach als Profi.
"Er wollte zu einem neuen Trainer, dessen Fußball ballbesitzorientierter ist, um etwas Neues zu lernen", meinte Ralph Hasenhüttl, unter dem er 2018 in Leipzig Co-Trainer war.
Zsolt Löw: Große Erfolge in zweiter Reihe
Mit Tuchel machte Löw die nächsten, essenziellen Schritte in seiner Karriere, holte beim FC Chelsea (Champions-League-Sieger), bei Paris St. Germain (zweimaliger französischer Meister, französischer Pokalsieger und Supercupsieger), und beim FC Bayern (Deutscher Meister) diverse Titel.
Und machte sich einen Namen als Star-Assistent, der für offensive Spielsysteme stand. Dazu pflegte er als Bindeglied zwischen Mannschaft und Cheftrainer ein gutes Verhältnis zu den Spielern. Daran ändert auch die Kimmich-Episode nichts.
Denn Weggefährten bezeichnen "Jogi" als "menschlichen, empathischen, herzlichen und mit einer großen positiven Energie ausgestatteten Kollegen". Den Spitznamen, angelehnt an den Ex-Bundestrainer, hatten ihm die Cottbus-Teamkollegen verpasst, weil sie seinen Namen nicht gut aussprechen konnten.
Abgesehen von dem Kimmich-Zwischenfall verzichtete Löw aber lange auf den Schritt in das Rampenlicht.
Löw, der "unbesungene Held hinter den Kulissen von Chelsea"
Dabei hatte zum Beispiel die "Daily Mail" nach dem Titel in der Königsklasse 2021 einen näheren Blick auf den "unbesungenen Helden hinter den Kulissen von Chelsea" geworfen.
Und "The Athletic" schrieb über Löw als den "Stolz Ungarns, dem sowohl Tuchel als auch die Chelsea-Spieler vertrauen".
Doch nach dem Aus beim FC Bayern im Sommer 2024 trennten sich auch die Wege von Tuchel und Löw, der seinem einstigen Partner nicht zur englischen Nationalmannschaft folgte, sondern als "Head of Soccer Development" den Weg zurück zu RB fand. Dort sollter er sich um die Entwicklung der Spielphilosophie kümmern sollte.
"Ich glaube, die Entscheidung von RB, mich zurückzuholen, hat auch damit zu tun, dass ich in meiner Zeit geholfen habe, die RB-Philosophie mitzuentwickeln", sagte Löw: "Diese Weiterentwicklung hat zuletzt ein bisschen gestoppt."
RB-Anruf überraschte Löw: "Geburtstag war im Arsch"
Er soll die Philosophie wieder auf Kurs bringen. Wieder im Hintergrund. Diesmal an der Seite von Jürgen Klopp.
"Ich hatte immer das Gefühl, dass ich genau richtig bin auf meiner Position, mit denjenigen, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Es gab nicht den richtigen Moment, um auszusteigen", erklärte Löw, warum er nie die Rolle des Cheftrainers annehmen wollte. Angebote gab es. "Meine Karriere ging immer steil nach oben. Und keiner zieht bei einem Zug, der 200 km fährt, die Notbremse, um auszusteigen", so Löw.
Doch jetzt ist er erstmals der Chef, und er musste nicht lange überlegen, als er am Samstag nach der 0:1-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach von Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer angerufen wurde.
Löw: Partycrasher Schäfer
"Das Telefonat hat mich unerwartet getroffen", schilderte er: "Und der Geburtstag war dann am Arsch. Vier Stunden lang kam ein Anruf nach dem anderen. Bis neun oder zehn Uhr haben wir mit unterschiedlichen Personen diskutiert. Dann haben wir gemeinsam die Entscheidung getroffen."
Für Löw war klar: "Es war meine Pflicht, RB zu helfen". Sein Debüt gibt Löw, der nach der Saison wieder in die zweite Reihe zurücktritt, am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF, Sky und im Stream auf Joyn) im Halbfinale des DFB-Pokals beim VfB Stuttgart.
DFB-Pokal: So seht ihr VfB Stuttgart vs. RB Leipzig live
Es ist die letzte verbliebene Titelchance. "Der Kopf spielt eine große Rolle. Wir müssen offen sein – die Mannschaft für meine Ideen, ich für ihre Bedürfnisse", betonte Löw.
Für Schäfer bringt der Ungar "alles" mit, "um schnell eine Trendwende und einen deutlichen Leistungsschub herbeizuführen: außerordentlich viel Erfahrung, äußerst erfolgreiche Arbeit bei europäischen Topklubs und die richtige Ansprache." Um die Saison der Leipziger zu retten.
Dass es dabei zur Not auch mal kracht, kann Joshua Kimmich bestätigen.