Attribute, die ihresgleichen suchen
VfB Stuttgart im Pokalfinale: Nick Woltemade hat das Zeug zum Weltklasse-Stürmer - ein Kommentar
- Aktualisiert: 03.04.2025
- 11:39 Uhr
- Kai Esser
Der VfB Stuttgart steht im Finale des DFB-Pokals. Das hat er vor allem einem zu verdanken: Angreifer Nick Woltemade. Der U21-Nationalspieler ist ein Phänomen - und hat das Zeug zur Weltklasse. Ein Kommentar.
Von Kai Esser
Es war ein Transfer, der vor der Saison eigentlich unterging.
Angreifer Nick Woltemade schloss sich dem VfB Stuttgart ablösefrei von Werder Bremen an. Beinahe schon logisch, dass er im Schatten von Ermedin Demirovic und Deniz Undav stand, die beide jeweils Summen jenseits der 20 Millionen Euro gekostet haben.
Woltemade ging sogar so weit unter, dass er für die Ligaphase der Champions League gar nicht für den Kader berücksichtigt wurde. Dabei ist jetzt, Stand Anfang April 2025, klar, dass er der beste Stürmer im Kader des VfB ist.
Und nicht nur das: Die Fähigkeiten des Ex-Bremers im Kontrast zu seinen körperlichen Attributen sind so einzigartig, dass er fast schon als Phänomen durchgeht. Dadurch hat er das Zeug zu einem Weltklasse-Angreifer. Das zeigte er beim 3:1 im DFB-Pokal gegen RB Leipzig wieder eindrucksvoll.
VfB Stuttgart im Pokalfinale: Das Phänomen "Woltemessi"
Wer Woltemade nicht kennt und ihn zum ersten Mal anschaut könnte denken, dass er ein klassischer Stoßstürmer ist. Groß, kopfballstark, eine Kante vorne drin. So ein Typ, wie es Tim Kleindienst ist.
Dabei ist der 1,98-Meter-Hüne - im übrigen einen Zentimeter größer als Kleindienst - ziemlich genau das Gegenteil. "Kopfballstark bin ich nicht wirklich", sagte er einst.
Was er allerdings hat, ist eine unheimlich gute Technik mit dem Ball am Fuß. Woltemades Ballführung ist so eng, dass er oftmals in Spielen auch mal zwei, drei Gegenspieler am Stück stehen lässt.
Das Wichtigste in Kürze
Zudem verfügt er über eine fabelhaftgute Übersicht, oft findet er den besser postierten Mitspieler. Quasi ein filigraner Zehner im Körper eines kantigen Mittelstürmers. Nicht umsonst taufte Eintracht Frankfurts Trainer Dino Toppmöller den Angreifer jüngst "Woltemessi".
Messi-Vergleiche mit jungen Offensivspielern sind erstmal nichts Neues - dass es einen fast zwei Meter großen Stürmer trifft, ist aber mehr als bemerkenswert. Es beschreibt ihn aber besser als jede Analyse könnte. Die Mischung, die Woltemade mitbringt, ist beinahe einzigartig.
Vor allem, da seine vermeintlichen Schwächen wie das Kopfballspiel "einfach" coachbar sind, wie man in den USA sagt. Nicht nur deshalb hat er die Anlagen eines künftigen Weltklasse-Spielers. Desweiteren widerlegt er die unsinnige These, dass ein Spieler in seinem Alter - immer noch nur 23 Jahre - keine großen Entwicklungssprünge mehr machen könne.
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Nick Woltemade: Bald U21-EM und Nations League?
Ab Mai könnte für Woltemade - oder je nach Wunsch "Woltemessi" - eine unvergleichliche Reise beginnen.
Erst steht das Pokalfinale der Stuttgarter gegen Arminia Bielefeld in Berlin an. Und dann? Die U21-EM Mitte Juni (live in SAT.1) steht für den gebürtigen Bremer fest, er ist der Schlüsselspieler in der Offensive von Trainer Antonio Di Salvo.
Was allerdings passiert davor? "Ich glaube, dass sich Nations League und U21-EM nicht überschneiden", scherzte Woltemade nach seinem Dreierpack beim 3:1 über Spanien bei ran. Dabei muss sich der Stürmer gar nicht so offensiv um die Gunst von Bundestrainer Julian Nagelsmann bewerben, dessen A-Auswahl eine "Mini-EM" im eigenen Land spielt: das Final Four der Nations League.
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Denn eins steht fest: Wenn der phänomenale Stürmer nach der Junioren-EM über die U21-Altersgrenze fällt, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis er bei den großen Jungs nominiert wird.
Denn auch Nagelsmann wird wissen: Für Woltemade gibt es bei seinem einzigartigen Stürmerprofil keine Grenzen - auch nicht die Weltklasse.