Sport Allgemein
Aufarbeitung von Missbrauch: "Manche wissen nicht, was das ist"
Maximilian Klein, stellvertretender Geschäftsführer des Vereins Athleten Deutschland, hat anlässlich der Debatte um Missbrauchsmeldungen im deutschen Turnsport Fortschritte in der Aufarbeitung vergleichbarer Fälle gefordert. "Der Sport steht in Sachen Aufarbeitung vergangener Fälle noch am Beginn", sagte Klein im Gespräch mit dem SID und fügte an: "Es sollte verpflichtend sein, dass Aufarbeitungsprozesse unabhängig laufen, dass sie transparent laufen, dass sie betroffenenzentriert laufen."
Der Deutsche Turner-Bund (DTB) wird seit dem Jahreswechsel von Missbrauchsvorwürfen, erhoben vornehmlich von ehemaligen Spitzenathletinnen an den Bundesstützpunkten in Stuttgart und Mannheim, erschüttert. Der Verband hatte nach Aufkommen der ersten Vorwürfe eine externe und unabhängige Klärung angekündigt; ein Teil der betroffenen Sportlerinnen hatte die Unabhängigkeit einer vom DTB für die Untersuchung beauftragten Kanzlei jedoch öffentlich in Frage gestellt.
Klein mahnte unabhängig von den aktuellen Geschehnissen im Turnen an, dass manche Verbände gar nicht wüssten, "was Aufarbeitung eigentlich ist. Es ist leider so, dass Aufarbeitungsprozesse so komplex sind, dass Fehler gemacht werden." Die Prozesse müssten den "Gütekriterien Transparenz, Unabhängigkeit, Betroffenensensibilität genügen." Klar ist für Klein: "Eine Sportorganisation kann sich nicht selbst aufarbeiten."
Bettina Rulofs, Universitätsprofessorin für Diversitätsforschung im Sport an der Deutschen Sporthochschule in Köln, zeigte sich im Gespräch mit dem SID derweil ernüchtert, dass die Vorwürde im Turnen geäußert worden seien, "als der Deutsche Turnverband sich schon sehr intensiv mit dem Thema Safe Sport beschäftigt hatte." Es habe schon vor vier Jahren einen Entschluss gegeben, einen Kulturwandel voranzutreiben, der Turnverband sei auf einem "sehr vorbildlichen Weg" unterwegs gewesen. "Deshalb irritiert es mich, dass gerade in einer solchen Zeit anscheinend Meldungen von Turnerinnen nicht konsequent genug verfolgt wurden", sagte Rulofs und forderte für die Zukunft "ein gut funktionierendes Reporting-System".