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Das Formel-1-Reife(n)zeugnis des SID: Abu Dhabi

  • Aktualisiert: 14.12.2020
  • 06:45 Uhr
  • SID
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SEBASTIAN VETTEL: Am Ende gab sich Sebastian Vettel keine Mühe mehr, seine Erleichterung zu verbergen.

Abu Dhabi (SID) - SEBASTIAN VETTEL: Am Ende gab sich Sebastian Vettel keine Mühe mehr, seine Erleichterung zu verbergen. Die Erleichterung darüber, dass seine Zeit bei Ferrari zu Ende ist. Unter dem Strich hatte der Heppenheimer mehr gute als schlechte Jahre bei der Scuderia - 14 Siege und zwei Vizeweltmeisterschaften in sechs Saison sind für einen viermaligen Champion allerdings auch kein Traumergebnis. Für das Team seines Idols Michael Schumacher zu fahren, war Vettels Kindheitstraum. Mit diesem Mythos in Rot Weltmeister zu werden, die ultimative berufliche Sehnsucht. Doch die letzten beiden Jahre waren für Vettel vor allem schmerzhaft und hatten Züge einer schleichenden Demontage durch Teamchef Mattia Binotto, der offenkundig nicht mehr an den Deutschen glaubte. Tatsächlich aber war das Auto das größere Problem. Platz 14 im letzten Saisonrennen und Platz 13 in der WM spiegeln nicht Vettels Können wider. 2021 wird er bei Aston Martin einen neuen Anlauf unternehmen. Dort setzt man auf ihn, dort muss er allerdings auch wieder volle Motivation zeigen.

MAX VERSTAPPEN: Fragt man bei Mercedes nach, wer dem Team am ehesten gefährlich werden kann, dann fällt stets der Name Max Verstappen. Der niederländische Red-Bull-Pilot war tatsächlich auch 2020 die einzige Gefahr für die Silberpfeile. Verstappen besitzt enormes Talent, ist sehr entschlossen und begeht kaum noch Fehler. Zum Gewinnen reicht das allerdings trotzdem nur dann, wenn Mercedes schwächelt. So wie am Samstag und Sonntag in Abu Dhabi. Sein Auto muss einen gewaltigen Sprung machen, um den Serienweltmeister über eine ganze Saison zu gefährden. Das fällt schwer zu glauben.

LEWIS HAMILTON: Der Mann, den es auch im kommenden Jahr zu schlagen gilt, dürfte Lewis Hamilton heißen - zumal er am Sonntag erklärte, möglichst noch vor Weihnachten seinen Vertrag bei Mercedes verlängern zu wollen. Der Rekordweltmeister hatte in Abu Dhabi noch mit den Nachwehen seiner Coronainfektion zu kämpfen, er fühlte sich noch nicht wieder bei 100 Prozent. Gemessen daran ist sein dritter Platz, nicht weit weg von Verstappen und seinem Teamkollegen Valtteri Bottas, ein ziemlich gutes Ergebnis.

VALTTERI BOTTAS: Der Finne dürfte durchgeatmet haben, als Hamilton am Donnerstag nach seinem negativen Test die Starterlaubnis erhielt. Noch ein Rennen gegen Ersatzmann George Russell, womöglich eine weitere schwache Vorstellung - und die Luft für Bottas wäre ziemlich dünn geworden. Gegen Hamilton, den einige für den besten Fahrer der Formel-1-Geschichte halten, wirken Niederlagen eher wie Normalität. Doch so weit kam es ja gar nicht: Im Qualifying und Rennen blieb Bottas vor dem geschwächten Teamkollegen. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff beseitigte jegliche Zweifel, indem er deutlich machte, dass an Bottas' Vertrag nicht gerüttelt werde. Der Status des Finnen als - durchaus austauschbare - Nummer zwei ist mittlerweile klarer denn je.

SERGIO PEREZ: Keinen Vertrag hat dagegen Sergio Perez, der bei Aston Martin für Vettel Platz machen muss, trotz einer herausragenden Saison. Noch zumindest. Nach seinem Premierensieg in der Vorwoche in Sakhir und dem starken vierten Platz in der Fahrer-WM wäre ein Engagement des Mexikaners bei Red Bull an der Seite Verstappens nur logisch. Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko hält große Stücke auf Perez. Alternativkandidat ist allein der bisherige Verstappen-Partner Alex Albon, der in Abu Dhabi solider Vierter wurde. Kaum jemand zweifelt, dass Perez die bessere Wahl wäre. Auch im Hinblick darauf, Mercedes mehr Druck zu machen. Red Bull muss es nur wagen, mal wieder einen Top-Piloten von außen zu holen.

FORMEL 1: Wenige Stunden vor dem ersten freien Training beim angedachten Saisonauftakt in Melbourne wurde der Stecker gezogen. Es war Mitte März und wegen des Coronavirus wurde ein Rennen nach dem anderen abgesagt. Würde die Saison überhaupt beginnen? Und wie soll das klappen, ohne dass der globale PS-Zirkus zum Superspreader wird? Es klappte. Unter Federführung von Red Bull wurde Anfang Juli der Start mit einem Doppelevent in Spielberg gewagt, dazu gab es ein ausgeklügeltes Hygienekonzept mit zahllosen Bubbles und Coronatests im Fünf-Tage-Rhythmus. Am Ende fand jedes der 17 kurzfristig geplanten Rennen statt, der Anteil der positiven Fälle im gesamten Tross über fast sechs Monate lag nicht mal bei einem Prozent.

SPRUCH DES WOCHENENDES: "Heute war nix Besonderes, so krumm wie das ganze Jahr." (Sebastian Vettel nach Platz 14 in seinem letzten Rennen für Ferrari)

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