Sport Allgemein
Der Thron wackelt: Berlin auf der Suche nach der "alten Stärke"
Ruben Schott war erleichtert. Wieder ein Nervenkrimi, wieder ging letztendlich alles gut, doch der Kapitän und seine BR Volleys sind gewarnt. "Natürlich bin ich erstmal froh, dass wir das Spiel noch drehen und gewinnen konnten", erklärte der Außenangreifer nach dem ungewohnt wackligen Sprung ins Halbfinale um die Meisterschaft - aber: "Wir müssen zu unserer alten Stärke zurückfinden." Denn der sonst so unantastbare Dominator des deutschen Volleyballs scheint in dieser Saison so verwundbar wie nie.
"Wir können nicht zufrieden sein", monierte auch Zuspieler Johannes Tille nach dem 3:2 (25:12, 19:25, 20:25, 25:13, 15:10) gegen die Energiequelle Netzhoppers KW am Dyn-Mikrofon: "In Block und Abwehr sind wir nicht konstant genug in diesem Jahr." Zwar gelang den Berlinern bereits nach dem zweiten Spiel der Best-of-three-Serie der Einzug in die nächste Runde, gegen den regionalen Konkurrenten aus Brandenburg musste sich der Hauptstadtklub jedoch über die volle Distanz von fünf Sätzen mühen.
Er hoffe, betonte Schott, dass der knappe Sieg seinem Team "nochmal einen Schub für das Halbfinale" geben werde. Denn die Aufgabe gegen die Helios Grizzlys Giesen wird ab Samstag (18.00 Uhr/Dyn) nicht leichter. Die Best-of-five-Serie gegen den Hauptrunden-Fünften werde den Volleys "nochmal mehr abverlangen", glaubt Schott, "denn im Endeffekt ist dieses Jahr alles ziemlich offen. Alle spielen guten Volleyball und auch Giesen wird uns vor eine echte Herausforderung stellen".
So wie andere nationale Konkurrenten es in dieser Saison bereits getan haben. Gegen die SVG Lüneburg hatten die Berliner das schmerzhafte Aus in der Champions League hinnehmen müssen und wenig später auch ihre bislang einzige Saisonniederlage in der Bundesliga kassiert. Im Pokalfinale hatte der Titelverteidiger zudem gegen die SWD powervolleys Düren zwischenzeitig mächtig gewackelt (2:3).
Die drei verbliebenen Meisterschaftskandidaten dürften angesichts dieser ungewöhnlichen Schwächephasen ihre Chance wittern, den Rekordmeister nach acht Titeln in Folge endlich vom Thron zu stoßen. Neben Giesen mischen auch noch der Berliner Dauerrivale VfB Friedrichshafen und Favoritenschreck Lüneburg im Titelkampf mit.
Doch in der Hauptstadt lässt man sich nach den Jahren der absoluten Dominanz nicht so leicht aus der Ruhe bringen. So schickte Zuspieler Tille gleich einmal eine Kampfansage an die lauernde Konkurrenz: "Wir sind alle fit und wollen das Ding am Ende gewinnen."