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NHL

Alexander Owetschkin: Der beste Torjäger - aber kein großer Sportler

  • Aktualisiert: 05.04.2025
  • 09:13 Uhr
  • ran.de

Mit seinem 894. Tor in der NHL ist der Russe Alexander Owetschkin nun mit der Bestmarke von Wayne Gretzky gleichgezogen. Über seinem Erfolg schwebt der Schatten Putins.

Von Rainer Nachtwey

Jetzt ist es also geschafft, das Undenkbare. Jahrzehntelang galt sie als unangreifbar, diese magische Zahl: 894. Jetzt ist die Marke erreicht. Alexander Michailowitsch Owetschkin ist mit dem Rekord von 894 Toren in der Regular Season der NHL von keinem Geringeren als "The Great One", Wayne Gretzky, gleichgezogen - und wird sich im kommenden Spiel voraussichtlich den alleinigen Rekord schnappen.

Owetschkin gehört nun zu den Besten, die jemals auf NHL-Eis standen. Sein Name wird in Jahrzehnten noch an erster Stelle genannt werden, wenn es um die besten Torjäger der NHL-Geschichte geht. Ovis Markenzeichen ist sein Onetimer vom linken Bullykreis. Von dort hat er einen Großteil seiner 895 Tore erzielt. Der linke Bully-Kreis wird eingehen als Ovi’s Office. Dort stand – und teils war dem auch wirklich so – Owetschkin minutenlang im Powerplay, bewegte sich kaum vom Fleck, wartete auf die Vorlage und ließ dann die Fackel los. Ovi’s Office eben, so wie der Raum hinter dem Tor als Gretzky’s Office gilt.

Gegen Wayne Gretzky - wenn auch nicht direkt auf dem Eis, aber gegen die damals von "The Great One" gecoachten Phoenix Coyotes – mittlerweile in Salt Lake City beheimatet – erzielte Owetschkin eines der spektakulärsten Tore der NHL-Geschichte - nicht mit einer besonderen Bedeutung wie das von Bobby Orr. Aber es zeigt alles, was "The Great 8" auf das Eis bringt. Geschwindigkeit, technische Feinheit, Spektakel, Durchsetzungskraft und einen unbändigen Willen, alles, aber wirklich alles zu erreichen.

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Owetschkin über Wladimir Putin? "Er ist mein Präsident"

Aber wird Owetschkin auch zu den größten Sportlern zählen?

Owetschkin war es immer wichtig, für sein Land zu spielen. Für Russland flog er auch für nur zwei WM-Spiele um den halben Globus. Egal, ob es dann große Niederlagen setzte, wie 2015 im Finale von Prag, als er mit einer abartig gut besetzten russischen Mannschaft von einer abartig gut besetzten kanadischen Mannschaft im Finale vorgeführt wurde. Oder er auch nur zur Randfigur verkam, weil andere Spieler der Sbornaja im Scheinwerferlicht standen wie in Stockholm 2012 Jewgeni Malkin - "schreibt nicht über mich, es ist sein Turnier".

Vielleicht lässt sich daher die Verbundenheit mit dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin erklären. Noch vor dem Ukraine-Krieg - aber nach der Krim-Annexion durch Russland - warb Owetschkin für die Wiederwahl Putins. Er gründete sogar das "Putin Team", um ihm im Wahlkampf zu unterstützen. Und nach dem Einmarsch in die Ukraine? "Er ist mein Präsident", sagte er dann. Und: "Ich bin gegen Krieg." Mehr wollte er zum Überfall Russlands nicht sagen. Kritisiert oder sich losgelöst von seinem Präsidenten hat Owetschkin sich nie. Sein Instagram-Profilbild zeigt ihn immer noch mit Wladimir Putin bei der Ehrung im Kreml.

Das Motiv dahinter? Manch einer vermutet Stolz, manch einer Furcht.

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Acht Tore! Netz reagiert ironisch auf Putins Eishockeygala

Alexander Owetschkin: Furcht vor Putins Zorn?

Vielleicht ist es auch keine freiwillige Verbundenheit. Ein Blick auf Artemi Panarin, den Star der New York Rangers, könnte es vermuten lassen. Der hatte Putin in einem Interview heftigst kritisiert und sich pro des mittlerweile verstorbenen/ermordeten Alexei Nawalny positioniert – noch vor dem Einmarsch in die Ukraine. Wenige Wochen später sah er sich Vorwürfen ausgesetzt, er habe 2011 in Lettland eine Frau geschlagen – erhoben von seinem ehemaligen KHL-Trainer Andrej Nasarow. Der ehemalige NHL-Spieler ist ein glühender Verfechter Putins, die Vorwürfe kamen nicht von ungefähr.

Owetschkins Familie lebt in Moskau, der Starstürmer kehrt im Sommer immer wieder mit seiner Frau und seinen Kindern in die Heimat zurück - wie soll das möglich sein nach Kritik an Putin? Demzufolge sollen sogar die Washington Capitals Owetschkin geraten haben, sein Instagram-Profilbild nicht zu ändern - um seiner Sicherheit Willen. So heißt es zumindest.

Dennoch hat es seinem Ansehen geschadet. Insbesondere in Kanada sah er sich in den Spielen kurz nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine Pfiffen ausgesetzt. Er stand stellvertretend für Putin, für das Feindbild, für das Böse - eine Rolle, die er früher im Duell mit Sidney Crosby sonst immer gerne eingenommen, gespielt hatte.

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NHL: Bricht Owetschkin nächste Tor-Marke?

Owetschkin war der Bad Boy, Crosby der Saubermann. Owetschkin der Rockstar mit der Zahnlücke, der laute, der beim Torjubel in die Plexiglasbanden sprang, der krachende Checks verteilte, der auch mal in Werbeclips Crosby den Zimmerservice aufs Zimmer schickte oder den russischen Spion spielte. Die Betonung liegt auf spielte bzw. spielt.

Owetschkin spielt immer noch - vor allem herausragend Eishockey. Trotz seines im Profisport hohen Alters von 39 Jahren, auch wenn er nicht mehr so dominant ist. Vor allem in einem Sport, der so sehr von seiner Geschwindigkeit und Reaktionsschnelligkeit lebt.

Owetschkin wird sich sicherlich noch die 900-Tore-Marke und wer weiß, vielleicht auch die 1000-Tore-Marke als Ziel setzen. Das Wichtigste hat er in seiner Karriere bereits erreicht, den Gewinn des Stanley Cups 2018 mit den Washington Capitals. Allein deshalb lieben sie ihn in der Hauptstadt. In allen anderen NHL-Arenen weniger.

Auch wenn er mit besonderen Aktionen - wie unlängst dem Handshake seines kompletten Teams mit dem zum Saisonende scheidenden Goalie Marc-Andre Fleury - Sportlerherz zeigt, schwebt der Schatten Putins über ihm. Owetschkin ist der beste Torjäger, aber kein großer Sportler - dazu fehlt ihm die Loslösung von Putin.

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