Fahrerwechsel bei Red Bull
Formel 1: Rauswurf von Liam Lawson bei Red Bull stößt bei Mark Webber und David Coulthard auf Verständnis
- Aktualisiert: 03.04.2025
- 10:59 Uhr
- Motorsport-Total
Die Degradierung von Liam Lawson bei Red Bull nach nur zwei Rennen hat hohe Wellen geschlagen. Zwei ehemalige Formel-1-Pilot äußern Verständnis für die Entscheidung.
David Coulthard und Mark Webber können verstehen, dass Red Bull im Fall Liam Lawson bereits nach zwei Rennwochenenden in der laufenden Formel-1-Saison die Reißleine gezogen hat. Das erklären sie in der aktuellen Folge des Podcasts "Formula For Success". Tenor: Lawsons Rückstand auf Verstappen war zu groß.
Denn in den Qualifyings in Melbourne und in Shanghai verlor Lawson sieben Zehntel beziehungsweise gut 1,1 Sekunden auf seinen Teamkollegen im anderen Red-Bull-Auto und kam auch über die Renndistanzen nicht annähernd auf ein ähnliches Tempo wie Verstappen.
"Dieser riesige Zeitunterschied ist selbst für einen Ex-Fahrer schwer zu fassen", sagt Coulthard. "Ich hatte auch schwierige Phasen in meiner Karriere. Wenn das Auto instabil war, konnte ich keinen Rhythmus aufbauen. Aber solche Lücken wie jetzt?"
Verstappen sei sicherlich ein "Phänomen", meint Coulthard, "aber die Formel 1 ist heute extrem eng. Zwischen einem Topfahrer und einem durchschnittlichen sollten es zwei, drei Zehntel sein - nicht fast eine Sekunde."
Webber stimmt zu und ergänzt: "Aktuell reden wir von zwei, drei Zehnteln pro Sektor, und das ist einfach nicht tragbar. Denn das ist in diesem Geschäft eine Welt."
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Deshalb sieht Webber die "Degradierung" von Lawson zu Racing Bulls positiv für den Rennfahrer aus Neuseeland: "Bei Red Bull hat er keinen Draht zum Auto gefunden. Er braucht jetzt die Chance, den Druck loszuwerden und kann sich bei einem kleineren Team einleben, mit dem er schon Erfahrungen gesammelt hat."
Ein Spaziergang wird es aber nicht für Lawson, glaubt Webber. Er stelle sich gleich mehrere Fragen: "Kann er sich beim kleineren Team wieder fangen? Und findet er seinen Rhythmus wieder?"
Macht es Tsunoda wirklich besser als Lawson?
Doch das ist für Webber nicht die einzige "interessante Dynamik" beim Cockpittausch zwischen Lawson und Yuki Tsunoda. Denn dass Tsunoda bei Red Bull wesentlich besser abschneidet als zuvor Lawson, das sei nicht garantiert. "Und was passiert, wenn Yuki auch nicht liefert?", fragt Webber. "Was macht das Team, wenn dann alle wackeln?"
Stand jetzt sei Verstappen der Einzige, der "eine vernünftige Rundenzeit aus diesem Auto herausquetschen kann", so formuliert es Webber. Deshalb sehe der im Winter entlassene Sergio Perez rückblickend "wie ein Zauberer" aus. "Und jetzt? Na ja."
Dabei brauche Red Bull unbedingt "zwei Fahrer, die zur Performance beitragen", erklärt Webber weiter. "Und ich rede hier nicht nur von Punkten. Es muss doch Kurven geben auf einer Rennstrecke, in denen der zweite Fahrer mal schneller ist als Max. Aber das passiert nicht: Max trägt das Auto ganz allein."
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Was, wenn Verstappen mal nicht mehr da ist?
Webber fühlt sich bei dieser Konstellation an die Honda-Jahre von Marc Marquez in der Motorrad-Weltmeisterschaft MotoGP erinnert: "Marquez hatte über Jahre gelernt, das Bike zu fahren - aber als er ging, konnte es niemand mehr. Dann war es unfahrbar."
Red Bull drohe bei einem möglichen Verstappen-Wechsel das gleiche Schicksal, meint Webber. "Wer weiß schon, wie lange er noch bleibt - vielleicht drei oder vier Jahre. Aber das Team muss das Auto für mehr als einen Fahrer fahrbar machen." Und das wird laut Coulthard eine "große Aufgabe".
Er und Webber wissen, wovon sie sprechen: Beide sind am Ende ihrer Formel-1-Karrieren für Red Bull angetreten. Coulthard fuhr in den Anfangsjahren des Teams zweimal auf das Podium, Webber ab 2010 mehrmals um den Titel. 2007 und 2008 waren beide Teamkollegen bei Red Bull. Das Stallduell endete 1:1 nach Platzierungen in der WM-Gesamtwertung.