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Bundesliga

FC Bayern München: Zurück zu den taktischen Wurzeln? Wie Vincent Kompany auf die Ausfälle reagieren kann

  • Aktualisiert: 04.04.2025
  • 15:47 Uhr
  • Justin Kraft

Dem FC Bayern fehlen im Saisonendspurt einige Spieler. Wie kann Vincent Kompany das System anpassen? Und muss er das überhaupt?

Von Justin Kraft

Vincent Kompany ist beim FC Bayern München auf dem Weg, etwas zu schaffen, was seit der Triplesaison 2019/20 keinem Trainer des FCB mehr gelungen ist: Er hat den Durchschnitt der kassierten Gegentore pro Partie in der Bundesliga auf unter eins gedrückt.

Aktuell sind es 0,96 pro Spiel. In der gesamten vergangenen Saison waren es 1,32. Es war der Tiefpunkt einer Negativentwicklung. Denn die Defensive stand seit vielen Jahren im Fokus der Kritik.

Unter Kompany hat sie sich jedoch stabilisiert. Das zeigen auch andere Werte. Laut dem Datenportal "FBref" lassen die Münchner nur 6,3 Abschlüsse des Gegners pro Spiel zu – mit großem Abstand der Bestwert in den Top-5-Ligen. Es folgen der FC Barcelona (7,76) und Athletic Club Bilbao (8,28).

Und auch bei der Chancenqualität der Gegner lassen sich die Zahlen sehen: 0,7 Gegentore werden anhand der Abschlüsse der Gegner pro Spiel erwartet. Napoli (0,82) und Arsenal (0,85) folgen relativ deutlich dahinter.

Doch schon in den vergangenen Wochen fingen einige dieser Meilensteine, die Kompany mit seinem Team erreicht hat, an zu wackeln. In den vergangenen vier Bundesliga-Spielen kassierten die Bayern sieben Gegentore. Hinzu kommen jetzt die Ausfälle von Alphonso Davies und Dayot Upamecano – beides wichtige Eckpfeiler des Erfolgs. Mit Hiroki Ito fällt ein weiterer Verteidiger länger aus.

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Bleibt die große Frage, wie Kompany und das Trainerteam auf die Ausfälle und auf den Negativtrend reagieren, um die Saison ins Ziel zu retten.

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FC Bayern: Wie reagiert man taktisch auf die Ausfälle?

Oberflächlich betrachtet, hat der Belgier im taktischen Bereich jetzt drei Optionen: Überkompensation in Richtung Defensive, die Flucht nach vorn oder möglichst wenige Anpassungen, um den aktuellen Rhythmus beizubehalten.

Beim Blick aufs Detail ist es selten so klar trennbar. So hat Kompany in dieser Saison schon häufiger die taktische Ausrichtung angepasst – allerdings nie im großen Stil. Es ging immer um die Detailebene, immer darum, kleine Probleme mit den Anpassungen zu lösen. Gleichzeitig wollte er seiner offensiven Idee dabei immer treu bleiben.

So wird es diesmal auch sein. Das große Problem für Kompany ist allerdings, dass die individuelle Qualität ohne Upamecano und Davies enorm abnimmt. Die Bayern verlieren nicht nur Tempo in der Rückwärtsbewegung, sondern auch Klasse im Aufbauspiel.

Es könnte ein Reflex des Trainerteams sein, deshalb die Abwehrkette noch mehr zu stabilisieren. Optionen dafür gäbe es einige. Ohne Veränderungen in der Formation könnte Kompany sein Team etwas verhaltener anlaufen lassen. Als er für das extrem hohe und mannorientierte Pressing zu Beginn der Saison kritisiert wurde, reduzierte er die Höhe des Anlaufens minimal.

Eine tiefere Abwehrkette könnte Spielern wie Joao Palhinha oder Eric Dier entgegenkommen, die nicht sehr schnell auf den Beinen sind. Sie könnte aber auch dazu führen, dass die Bayern seltener den Ball haben, weil Gegner mehr Raum im Spielaufbau bekommen. Was letztendlich zu mehr Druck führen kann, weil die Münchner längere Verteidigungsphasen ohne Ball hätten.

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Die Defensive des FCB braucht Offensivpower

Unter Thomas Tuchel führte das zu einigen Problemen, weil das Team zu oft die Kontrolle verlor. Ein wichtiger Faktor für die neue defensive Stabilität war deshalb die Veränderung hin zum hohen Pressing. Das Rezept: Wenn der Gegner sich nicht kontrolliert nach vorn kombinieren kann, erspielt er sich auch kaum hochkarätige Chancen.

Die Statistiken bestätigen den Weg. Bis zu seiner Verletzung hat der sonst fehleranfällige Upamecano die stärkste Saison in seiner bisherigen Karriere gespielt. Der Franzose profitierte enorm davon, proaktiv verteidigen zu können und nicht ständig unter Druck stehen zu müssen, weil bereits im vordersten Drittel Bälle erobert wurden.

In den vergangenen Wochen hat diese Qualität der Bayern aber etwas abgenommen. In manchen Spielen gab man dem Gegner etwas zu viel Raum, weshalb man auch in der Abwehrkette wieder etwas mehr arbeiten musste.

Hohes Pressing: Der Schlüssel zur Meisterschaft für die Bayern

Genau hier liegt der Schlüssel für den Erfolg in den kommenden Wochen – zumindest in der Bundesliga. Schaut man auf die Namen der verbliebenen Abwehrspieler, dann liest sich das nicht wie die Defensive eines Anwärters auf den Titel in der Champions League.

Mit der berühmten "Flucht nach vorn" könnten die Bayern die Last der Verantwortung aber auf die Mannschaftsteile lenken, in denen man nach wie vor sehr gut aufgestellt ist. Das betrifft die Ballbesitzphasen ebenso wie die Arbeit gegen den Ball. Kompany muss einen Weg finden, die Defensive zu stabilisieren, indem er sich auf die Stärken seiner Mannschaft fokussiert.

Gegen die restlichen Gegner in der Bundesliga kann man die individuelle Überlegenheit womöglich dann am besten ausspielen, wenn man zurückkehrt zum kompromisslos hohen Pressing des ersten Saisondrittels.

Ob das auch für die Königsklasse gilt, ist fraglich. Dort kassierten die Münchner jene Niederlagen, die hauptverantwortlich für die Kritik am Kompany-Fußball waren. In der Liga aber gelang ihnen damit über weite Strecken eine Dominanz, die es so bei den Bayern schon lange nicht mehr gab.

Die vermeintliche Flucht nach vorn könnte deshalb das beste Mittel auf dem Weg zur Meisterschaft sein.

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